Wetten, ich schaffe es nicht, diesen Text zu schreiben, ohne ein blödes Wortspiel mit Hunden zu machen? Wir werden sehen.

Für alle von euch, die Dead to Rights nicht kennen…also vermutlich für euch alle, ein paar Hintergrund-Infos. Die Reihe ist seit acht Jahren unterwegs, als das erste Spiel exklusiv für die Xbox erschien, bevor es letzten Endes geportet wurde. Warum es überhaupt einen Port erhielt grenzt an ein Wunder, denn im Grunde mochte das Spiel keiner. Es beeindruckte technisch nicht gerade, die Kamera funktionierte nicht gut, die Mechaniken gefielen nicht – das Spiel hatte nur ein einziges herausstechendes Merkmal. Dieses Merkmal hatte vier Pfoten, Flöhe und Hunger auf stinkendes Fleisch in Gelee. Tatsächlich: Ohne Shadow, der ein Husky oder Malamuth oder eine andere dieser Schneetölen ist, wäre die Reihe schon damals auf den Hu… ha, da wäre es doch beinahe passiert.

Scheinbar wurde das Spiel von Chappi oder so gesponsort, denn in den nächsten Jahren erhielt es eine Fortsetzung und zwei Handheld-Spinoffs. Dann war vier Jahre lang Ruhe und jetzt kriegen wir Dead to Rights: Retribution in den Napf geklatscht. Hat sich etwas getan? Konnte aus der durchaus guten Prämisse „Ein Mann und sein Hund“ ein ebenso gutes Spiel herausgeholt werden? Mal schauen.


Der generische Actionheld du jour ist Jack Slate, ein Name, der so einfallsreich und singulär unter Actionhelden ist wie „Bello“ unter Kötern. Jack ist so uninteressant, dass ich seinen Namen gerade extra nachschlagen musste. Bzw. nicht gemusst hätte, denn er tut ja nichts zur Sache, aber ihr wisst schon. Jack ist ca. 1,80m groß, muskulös, hat braunes Haar, kriegt keinen Satz raus, der nicht martialisch ist und ist von Beruf, wait for it, Polizist. Seinen Partner Shadow habe ich bereits vorgestellt, er ist ein Polizeihund, ein K9. Scheinbar trainiert die amerikanische Polizei ihre Hunde darauf, Verbrecher zu zerfleischen, doch dazu später mehr.

Jack und Shadow müssen…äh…ihnen passiert…ohm…ok, ich will ehrlich sein, ich hab das Spiel eine ganze Weile gespielt und ich kann null und gar nichts über die Story sagen. Sie ist auch wirklich nicht wichtig. Es gibt Bad Guys, unsere Protagonisten mit 6 Beinen wollen ihnen ans Leder, das muss reichen. Man steuert in den ersten Levels abwechselnd Shadow und Jack, später sind beide gemeinsam unterwegs. Das Gameplay ist sehr unterschiedlich, je nachdem, ob man das haarige, geifernde Biest oder eben doch den Hund spielt.

Aber selbst jeder einzelne der beiden repräsentiert nicht eine Variante von Gameplay, sondern mindestens zwei: Jack kann sowohl prügeln, mit Combos und Kontern und Finishern, als auch das gute alte Deckungsystem nutzen und die bösen Jungs mit Schusswaffen beharken. Shadow ist entweder eine fellige Bowlingkugel mit Zähnen, die von einem Gegner zum nächsten hastet und ihnen gepflegt das Gesicht abkaut, oder er macht auf Solid Snake, schleicht durch die Level, spürt die Gegner per Herzschlag auf und…kaut ihnen gepflegt das Gesicht ab. Aber leise. Das Spiel ist eine regelrechte Promenadenmischung (goddammit, ich wusste, dass ich es nicht schaffe!), und wie ihr euch jetzt wahrscheinlich schon denken könnt, funktioniert das nicht gut. Es wird halbgar geprügelt, geschossen, geschlichen und gebissen, keine der Mechaniken ist ausgereift und vermag länger als eine Viertelstunde wirklich zu unterhalten, zumal sich der „Nicht schon wieder“-Effekt äußerst schnell einstellt.

Wenn man spielerisch nicht überzeugen kann, dann muss es wohl Gewalt tun: Entwaffnet Jack einen Gegner, richtet er die gerade abgenommene Waffe direkt auf dessen Kopf, bereit zur Exekution, die dann der Spieler übernehmen soll/muss. Hat er jemanden krankenhausreif geprügelt, bricht er ihm beim Finisher sämtliche Knochen. Der eigentliche Star der Verhackfleischung ist aber deutlich Shadow. Wenn der kleine Flohzirkus loslegt, spritzt das Blut in allen nur erdenklichen Varianten: Aus durchgebissenen Kehlen, aus einem mit Krallen zerfetzten Gesicht usf. Das hat etwas durchaus erschreckendes: Schusswaffen, Terroristen und erst recht Zombies oder Aliens begegnen uns nicht jeden Tag, aber Hunde sind eigentlich etwas sehr normales, was Shadow schon sehr intensiv wirken lässt. Übertriebene Gewalt ist aber keinerlei Ersatz für ein gutes Spiel.

Erwähnenswert ist noch, dass Dead to Rights (Was soll dieser Titel eigentlich bedeuten?) technisch einfach grauenhaft ist. Graphisch sieht es aus wie die ersten Titel der aktuellen Generation, teils schlechter, die Animationen sind so klotzig und sprunghaft, dass man teilweise nicht mal erkennt, was gerade eigentlich passieren soll und insgesamt wird man im Minutentakt daran erinnert, dass man in einem Spiel ist, weil technische Fehler einen jedes Mal rausreissen, wenn man gerade so etwas ähnliches wie Stimmung erlebt. Shadow beispielsweise scheint über den Boden eher zu schweben als wirklich mit seinen Pfoten aufzutreten. Klasse, ein Flughund.

Die größte Frechheit? Das Spiel versucht auch noch, Max Payne zu imitieren und scheitert daran natürlich noch mehr als Max Payne 2 es tat: Aufgesetzte innere Monologe eines Protagonisten ohne Persönlichkeit und Verstand? Check. Dumme Zeitlupeneffekte, die die ohnehin schon drögen und kaum unterhaltsamen Kämpfe noch länger als ohnehin schon machen? Jupp, vorhanden. Und natürlich die düstere Optik, die wahrscheinlich eine tiefe Verzweiflung unserer Helden verdeutlichen soll, tatsächlich aber einfach nur ein Mittel der Designer ist, ihr hässliches Spiel zu verschleiern.

Kann man also mit Dead to Rights: Retribution Spaß haben? Klar, und wie. Was „Riffability“ angeht, das Potential also, sich mit Kumpels über ein schlechtes Spiel lustig zu machen, liefert das Spiel einiges, weil man an jeder Ecke eine dumme Idee, ein nonfunktionelle Mechanik oder einen nach Wachsfigur aussehenden Charakter trifft. Holt es euch bloß nicht in der Erwartung, ein Action-Highlight zu erleben, denn in dieser Hinsicht gehört das Spiel (Achtung, finaler Hundewitz!) einfach nur eingeschläfert.

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